Brasilien, Rio de Janeiro mit seinem Zuckerhut, Recife, mit seinen Brücken, das Venedig Brasiliens, und dann das schwarze Salvador, das und nichts anderes ist es, dachte ich damals, Mitte 1980, was ich suchte und immer wieder besuchte in den kostbarsten Wochen des Jahres. Zuvor hatte ich unter anderem Nord-, Ost- und Westafrika bereist - nun war ich dem Weg der afrikanischen Sklaven bis zum Pelourinho (Prangersäule) gefolgt, ins afrikanische Herz der Stadt Salvador da Bahia.
Immer wieder überflog ich auf dem Weg dorthin verschiedene Inselgruppen im Atlantik, wie die Azoren, Madeira und die Kanaren. Nach einem Tankstop, häufig auf der Kanareninsel Teneriffa, ging es dann weiter Richtung Brasilien. In Höhe der westafrikanischen Küste (Senegal) befindet sich allerdings noch eine weitere Inselgruppe, die ich etliche Male überflogen habe, ohne sie zu bemerken, sei es wegen schlechten Wetters, Nachtflug oder aber weil sie mir schlichtweg unbekannt waren.
Es war im September 1998, als ich sie bei guter Sicht entdeckte und einen neben mir sitzenden Reisenden um Auskunft bat, was dies dort für Inseln seien. Er, allem Anschein nach besser in Geographie bewandert als ich, gab fast etwas überheblich die Auskunft - natürlich die KAPVERDISCHEN INSELN.
Auf die Frage, zu welchem Land sie gehörten, kam die prompte Antwort - Portugal, was nach meinem heutigen Wissensstand nicht zutraf, da der Kolonialstatus 1951 nach fast 500 Jahren aufgelöst wurde. Die Kapverden wurden bis 1975 portugiesische Provinz und nach 16 Jahren Sozialismus gibt es seit 1991 eine demokratische Regierung und freie Wahlen. Amtssprache ist portugiesisch. Auf der Straße hingegen spricht man Kreol, eine Mischung aus überwiegend afrikanischen und portugiesischen Worten in leicht abgeänderter Form. Je nach Insel wurden durch äußere Einflüsse (Landbesetzer, Piraten, Siedler usw.) brasilianische, spanische, französische und englische Elemente hinzugefügt.
Portugiesisch wurde hier also gesprochen! Das war für mich sehr interessant, zumal ich durch meine diversen Brasilienaufenthalte diese Sprache inzwischen einigermaßen gut beherrschte. Wie immer war auch diese Brasilienreise sehr schön und interessant, aber der Kapverdische Archipel wollte mir nicht mehr aus dem Kopf gehen.
Nur einige Tage nach meiner Rückkehr marschierte ich ins erstbeste Reisebüro und erkundigte mich nach dieser im Atlantik liegenden Inselgruppe. Große Augen und ein unterdrücktes Schulterzucken der Dame im Reisebüro waren die Antwort. Aber wozu gibt es heutzutage Computer? „Ach ja, da haben wir es ja“! Sogar ein last-minute- Angebot für 14 Tage im November 1998.
Dort fliegt wahrscheinlich niemand hin, dachte ich mir, denn die Dame hatte bis dato nicht ein einziges Mal die Kapverden verkauft. Egal, und das stand für mich bereits fest, diese Inseln musste ich mir unbedingt einmal ansehen. Abflugtermin war der 17.11.1998 ab Airport Frankfurt.
Gespannt wie nur was saß ich die ca. 6.5 Stunden Flug auf der Condor ab. Nach einer Zwischenlandung in Banjul/Gambia hielt der Flieger Kurs auf die Kapverden mit Zielflughafen SAL.
Was war denn das da unter mir? Ein total flaches Eiland, eine winzig kleine Sandwüste im großen Atlantik; kein Baum, kein Strauch weit und breit, nur eine kleine Ansammlung von Häusern. Ich hatte zwar eine gewisse Vorstellung, wie laut Reiseführer, den ich mir kurzfristig besorgt hatte, eine karge Insel auszusehen hat, aber so farblos hatte ich sie mir nun doch nicht vorgestellt. Auf den ersten Blick war ich nicht unbedingt begeistert.
Die Landung erfolgte auf einem für dieses entlegene Eiland gut ausgebauten Flughafen.
Später erfuhr ich, dass dieser Flughafen bereits 1939 von den Italienern errichtet und um 1949 an die Portugiesen verkauft wurde, die ihn dann weiter ausbauten. Eine zweite, über 3000 m lange Landebahn wurde mit südafrikanischer Finanzhilfe gebaut, da die Kapverden im Gegensatz zu allen anderen afrikanischen Ländern die Zwischenlandung der Southafrican Airlines erlaubte. Modernste Radareinrichtungen machen Nachtlandungen möglich und auch Jumbos können auf der langen Piste landen. Air Portugal, Sabena, TAP, Cubana, Angola Air, Varig (Brasilien) und die russische Aeroflot nützen Sal als Zwischenlandeplatz.
Und in diesem gleichnamigen Hotel (inzwischen der Werbewirksamkeit wegen umbenannt von Aeroflot in Albatroz) wurde ich nun auch untergebracht. Hammer und Sichel thronten, selbst aus großer Entfernung unübersehbar, auf der Dachmitte. Jetzt verstand ich zunächst einmal gar nichts mehr. Auf einer Inselgruppe, auch Makaronesien genannt, die sich im südlichen Nordatlantik auf der Höhe Westafrikas befindet, südlich des Wendekreises des Krebses, portugiesisch sprechend, befindet sich ein russisches Hotel! Die Erklärung hierfür war denkbar einfach - hier wurde jahrelang die Crew der Aeroflot untergebracht, bevor man nach Südamerika weiter flog. Das gut geführte Mittelklassehotel entsprach europäischem Standard, nette saubere Zimmer mit Meerblick, Swimmingpool mit Poolbar, Tennisplatz, hübsche Gartenanlage mit tropischem Baumbestand. (Stand Dezember 2004 – sehr heruntergekommen – wurde von einem Hotelier der Kanaren gekauft und soll in den nächsten Monaten komplett renoviert werden)!
Nach tiefem Schlaf ohne jegliche Lärmbelästigung, falls man die Meeresbrandung nicht dazurechnet, wachte ich frühzeitig auf, steckte den Kopf aus der Balkontüre und war überwältigt. Solch ein blaues Blau des Meeres hatte ich selten gesehen, und gesehen hatte ich bereits einiges von der Welt. Beim Genuss meiner „nach-dem-Frühstück-Zigarette“ auf der Veranda, lernte ich zwei nette Herren kennen; der eine war Österreicher, der andere kam aus Berlin. Beide hatte es auch hierher verschlagen - allerdings zufällig und nur für eine Schnupperwoche, wohingegen ich ja gleich mutige 14 Tage gebucht hatte. Zu dem Berliner später, hierzu gibt es eine amüsante Geschichte.
Beide nicht der portugiesischen Sprache mächtig, schlossen sich mir an, da auch sie die üblichen Dinge wie Geldwechsel, Trinkwasserbesorgung und dergleichen erledigen wollten. Wir drei Neuankömmlinge schlenderten nun in Richtung Santa Maria am Strand entlang und sahen bereits aus der Ferne einen Pier, Mole oder wie man auch immer einen ins Meer gebauten Steg nennen will. Beim Betreten wurde mir angst und bange. Der Steg bestand aus verschieden großen Holzbrettern, wovon jedes zweite beschädigt, jedes dritte fehlte und jedes vierte mangels Nägel in alle Richtungen wippte. Die Fischer, die dort ihren frisch gefangenen Fisch zerlegten gingen darüber, als wäre es das selbstverständlichste der Welt und so taten wir es denn auch, allerdings mit ein wenig Unbehagen.
Dieser erste Eindruck auf der Mole bleibt für mich unvergesslich, wenngleich ich bis zum heutigen Tage diesen Steg, der inzwischen x-mal provisorisch ausgebessert wurde, unzählige Male aufgesucht habe.
Solch ein glasklares Wasser, in allen erdenklichen Farbtönen von hellblau bis zu dunklem türkis, kleine und große Fischschwärme, dümpelnde bunte Fischerboote, glücklich spielende Kinder, die vom Steg ins Wasser sprangen und wieder heraus krabbelten, um sich wiederum laut krähend in das glasklare Wasser zu stürzen. Überall ringsherum freundlich dreinschauende Menschen, Männer, die ihre Arbeit verrichteten und den frisch gefangenen Fisch den wartenden Frauen oder Kindern übergaben. Der Ausblick nach links zeigte schneeweißen Strand, soweit das Auge reichte, nach rechts ebenso, wobei hier ein paar Häuser sowie eine ausgediente Fischfabrik den Weiterblick aufhielten. Und sonst nur der unendlich weite dunkelblau schimmernde Atlantik. Bis heute konnte ich mich nicht satt sehen an diesem paradiesischen Fleck, wenngleich sich inzwischen leider vieles geändert hat, worüber ich später berichten werde.
Nun war ich neugierig auf Santa Maria. Mein erster Gedanke war „verschlafenes Fischerdorf mit sandiger Dorfstraße“ und vielmehr ist auch nicht. Es gibt eine kleine Bank, ein Touristenbüro, in dem Reisen auf die übrigen Inseln gebucht werden können und herrliche kleine Kramläden, mit dem was gerade vorhanden ist, was irgendein Schiff aus irgendeinem Teil der Welt mitgebracht hat. So habe ich inzwischen Bonbons aus der Türkei, Gujabada (ähnlich Marmelade) aus Brasilien, Bier aus Portugal sowie Seife aus Indonesien hier erstanden. Einzig und allein in Hülle und Fülle vorhanden ist frischer Fisch. Vom Thunfisch über Sera (Sägefisch), Garoupa (Rotbarsch), Brassen, Sardinen, Heringe, Rochen, Makrelen, Moränen, Haie Langusten, Krabben und viele andere Sorten; auch reichlich Meeresfrüchte, wie Seefinger, Meerschnecken und vieles mehr gibt es täglich frisch. (s. Restaurants auf Sal).
Um die etwa 30 km lange und nur 12 km breite Insel zu erkunden mieteten wir ein Aluguer (Sammeltaxi) samt Fahrer. Auf dem Wege in den Hauptort ESPARGOS, der nach den gelben Blütenstängeln (Cistanche phelipaea), die Spargel sehr ähnlich sehen, benannt wurde, die überall im Wüstensand wachsen, passierten wir zunächst den leer stehenden Palast des Staatspräsidenten. In den Jahren, seitdem ich die Kapverden besuche, habe ich nicht ein einziges Mal eine Menschenseele dort gesehen.
Der Ort selbst hat nicht all zuviel zu bieten, er wirkt wirr und unaufgeräumt. Es gibt einige Restaurants, Bars und kleine Läden, die aber nicht erwähnenswert sind. Man sieht viele einstöckige Baracken, in denen zurzeit des Kolonialkrieges portugiesische Soldaten stationiert waren. Von einem höher gelegenen Aussichtspunkt aus sieht man am Rande der Stadt eine Favela (Barackensiedlung), deren Behausungen aus allem möglichen Abfall zusammengezimmert wurden.
Östlich von Espargos liegt Pedra Lume. Dieses Dorf schien mir fast unwirklich ja unheimlich, ähnlich einer Geisterstadt. Es wirkt wie aus einem anderen Jahrhundert und die Baracken scheinen aus der Ferne betrachtet unbewohnt und doch leben hier einige hundert Menschen. Sehenswert sind die Salinen von Pedra Lume in denen heutzutage nur noch Salz für den Eigenbedarf gewonnen wird, wodurch die Anlage eher einem Museum unter freiem Himmel gleichkommt. Wer mag kann ein Bad in der Sole nehmen - besonders geeignet für Nichtschwimmer! Die Hafenstadt Palmeira liegt ca. 5 km entfernt auf der anderen Seite der Insel. Diesen Hafen könnte man als das Tor zur Welt bezeichnen, da sämtliche Handelswaren eingeführt werden müssen. Ebenso starten von hier aus die Fähren auf die übrigen Inseln.
Was mich auf Sal am meisten beeindruckt hat und was wohl auch die touristische Hauptattraktion darstellt, ist das BLAUE AUGE (in Kreol = OLHO AZUL), von Palmeira über eine staubige Wüstenstraße nach ca. 5 km zu erreichen. Man muss unbedingt zwischen 11 Uhr und 13 Uhr dort sein sonst verpasst man dieses einmalige Naturschauspiel. Über unebenes Gelände (festes Schuhwerk) erreicht man ein im Basaltgestein tiefes ovales Loch in das man bis auf den Meeresgrund schauen kann. Zur Mittagszeit scheint die Sonne in einem solchen Winkel in dieses Loch, das ganz unten im dunklen Wasser ein großes Auge, himmelblau, ähnlich einem hell glänzendem Saphir, aufleuchtet. Der Besuch ist ein absolutes Muss.
Wenige Meter hiervon entfernt befindet sich das Naturschwimmbecken Buracona, ebenfalls ein Schauspiel der Natur. Wellen rollen in die enge Felsspalte, deren obere Hälfte eine schillernde smaragdgrüne Schwimmlandschaft darbietet. Es gibt Fahrer, die gerne die Touristen mit ihren spektakulären Sprüngen von den hohen Felswänden verblüffen. Mir blieb dabei fast jedes Mal das Herz stehen. Bei sehr stürmischem Wetter tosen die Wellen heran und spritzen in hohen Fontänen mit einem ohrenbetäubenden Getöse aus der Felskerbe. Bei diesen Voraussetzungen halte ich das Baden nicht unbedingt für empfehlenswert.
Unbedingt sei noch zu Sal zu sagen, dass es ein hervorragendes Surf- und Tauchrevier ist. Beides liegt mir zwar nicht aber ausgerüstet mit Taucherbrille und Schwimmflossen habe ich unter Wasser auch schon einiges Interessantes entdecken und bestaunen können, so z.B. außer einer Vielfältigkeit von Fischen große Moränen, Tintenfische, Einsiedlerkrebse in herrlichen Muschelgehäusen sowie kleine dunkle Schildkröten und vieles mehr. Das Wasser ist so klar und sauber, wie man es selten vorfindet und die Temperaturen sind angenehm.
Was die Meeresschildkröten angeht, so habe ich beobachtet, das sie von Kindern wie von Erwachsenen eingesammelt und in Plastikbehältern, wie Eimern, Schüsseln und dergleichen gehalten werden. Regelmäßig kommen sie dann mit den Tieren zurück zum Strand und lassen sie für einige Zeit an einem felsigen Abschnitt unter Beobachtung ins Meer. Auf meine Frage, was sie mit den Babyschildkröten machen, erzählte man mir häufig, das sie Spielzeug für die Kinder seien und ein Jugendlicher beteuerte, dass man sie, wenn sie als Spielzeug ausgedient hätten und größer geworden wären, wieder ins Meer zurückgeben würde.
Tatsache ist, dass man sie wachsen lässt um die Suppeneinlage zu verbessern. Das Fleisch der Schildkröten sowie die Eier sind bei der einheimischen Bevölkerung immer noch überaus beliebt. Neueste Gesetzgebungen schreiben zwar vor, dass der Fang von Seeschildkröten für die Zeit von Juli bis Februar verboten ist aber nach eigener Erfahrung hält man sich hieran eben sowenig wie an die Schonzeiten für Langusten.
In Santa Maria auf Sal direkt am Dorfplatz liegt mein Lieblingslokal Mateus Bar oder auch Esplanada de Mateus genannt, mit kapverdischer Lifemusik. Hin und wieder esse ich auch dort, aber vor allem suche ich es der Musik wegen auf. Gegen 20 Uhr stimmen die Musiker langsam ihre Instrumente ein, und wenn der Star das Terrain betritt, kann es losgehen.
Der Star ist Ivo, ein Sänger, inzwischen um die 73 Jahre alt, mit einer herrlichen Stimme. So kann man an mehreren Tagen der Woche (montags Ruhetag) in den Genuss kommen, unter sternenklarem Himmel bei einem Gläschen Ponche (Nationalgetränk auf den Kapverden, ein Gemisch aus hochprozentigem Zuckerrohrschnaps, Honig und Limonen) Ivo’s Gesang zu kapverdischer Musik zu genießen. Sehr gerne höre ich die Klänge des Cavaquinhos, einer kleinen Gitarre ähnlich der Ukulele, die in Mindelo auf Sao Vicente hergestellt wird und deren Töne unverkennbar sind.
Fällt ein Musiker oder Sänger aus irgendeinem Grunde aus, springt sofort ein anderer hierfür ein. Manchmal möchte ich glauben, dass es keinen kapverdischen Menschen gibt, der nicht wenigstens ein Instrument spielt oder singen kann. Man sagt, dass von 10 Kapverdianern 11 musikalisch sind. Treffen Einheimische von einer Nachbarinsel ein, so werden sie sofort miteinbezogen, weshalb sich auch jeder Abend musikalisch anders gestaltet.
Der Wirt Mateus singt natürlich auch und das sogar sehr gut, und die Gitarre beherrscht er ebenfalls prima. Wenn er allerdings während eines Musikstückes entdeckt, dass seinen Gästen etwas fehlt, gestikuliert er wild seinen Kellnern zu, und gibt lauthals Anweisung, was sie zu tun haben.
Hat er als Wirt dann alles geregelt, wird er umgehend wieder zum Musiker. Und ist die Musik dann voll im Gang, und es wird ein rhythmischer Funana gespielt tanzt nicht nur die Bedienung, sondern das Personal in der kleinen Küche, deren Tür nur aus einem bunten spanischen Vorhang besteht, ist auch nicht mehr zu halten.
Nun aber zu der Geschichte des Berliners, die ich anfangs erwähnte.
Als kleine Vorgeschichte muss ich kurz berichten, dass ihn nach dem Mauerfall die erste weite Reise in die Dom. Republik führte. Dort angekommen, alles fremdländisch und exotisch, hatte er der ungewohnt hohen Temperaturen wegen heftigen Durst. Als er noch überlegte, in welcher Sprache er sich bemerkbar machen sollte, und das ganze Ostdeutsche jetzt mal hinter sich lassen wollte, biegt er um die Ecke Richtung Bar und vernimmt in höchstgesächseltem Sächsisch eine Männerstimme die da sagt:
„An dem Bina-Golada gönnt ich mich doodsaufn!“ Wieder nicht entkommen sagte er sich enttäuscht.
Er war Mitte 30, von Beruf Psychiater, aufgewachsen in der ehemaligen DDR, also geprägt von dieser Zeit. Es war seine zweite weitere Reise, und nun hatte er 1 Woche Glücksreisen, Hotel war also nicht bekannt, gebucht. Da er kurzfristig gebucht hatte, nahm man ihm, da er kein Visum hatte, als erstes seinen Pass ab. Das war ihm sehr unangenehm. Als er die Reiseleiterin nach dem Namen des Hotels in dem er untergebracht werden sollte fragte, bekam er den ersten kleinen Schock - AEROFLOT – Hammer + Sichel. Er fühlte sich sichtbar unwohl. Nachdem wir ein paar Worte gewechselt hatten, kam er mit seinen Bedenken raus – „hier ist alles verwanzt, überall Abhöranlagen, das gehört bei den Russen zum Standard. Die haben die Dinger niemals demontiert. Man kann keinen Pups lassen, ohne das die das mitbekommen und mein Pass ist auch weg, den bekomme ich sowieso nie wieder.“ War der Mann durcheinander, und das als Psychiater. Nun hatte er auch noch zu allem Überfluss als einziger Gast Halbpension gebucht, und das Hotel war sowieso nur zu ¼ belegt. Er marschiert also zum Abendessen; großer Speisesaal, er ganz allein, nur in Gesellschaft der Kellner.
Als die Suppe serviert war, erkundigte sich der russische Hotelmanager auf englisch mit stark russischem Akzent, ob man mit dem Service zufrieden sei. Unser Berliner litt langsam an leichtem Verfolgungswahn. Als dann aus den Lautsprechern während des Hauptganges Balalaikamusik ertönte und eine russische Matka in entsprechender Garderobe, übrigens die Gattin des Geschäftsführers, den Speisesaal betrat, war es um unseren Berliner geschehen. Die restlichen Tage verzichtete er auf die Halbpension und ging ebenfalls ins Dorf, um dort das Abendessen zu sich zu nehmen.
Ich persönlich bevorzuge sowieso die, wenn auch einfachen, Restaurants des Dorfes Santa Maria.
Hier einige zur Auswahl:
Restaurant Esplanada de Mateus (mein Tipp für Neuankömmlinge)
Hier gibt es zum Essen meistens gute Lifemusik.
Die Bedienung ist freundlich und sehr flink, wenn die Küche nachkommt.
Die Gerichte schmecken gut, aber es lassen sich auch günstigere Restaurants der gleichen Qualität im Dorf finden, dann allerdings weder Openair noch Lifemusik. Alles hat seinen Preis.
Inzwischen sehr gefragt bei den Touristen, daher an Musiktagen Platzreservierung erforderlich.
(Stand Dez. 2004 – Nach kompletter Renovierung Neueröffnung.
Immer noch sehr empfehlenswert)! (Stand 2008 – leider geschlossen!)
Restaurant Vulcan de Fogo
Das Restaurant befindet sich schräg gegenüber der Esplanada de Mateus. Das Essen ist gut. Fast die gesamte Familie kümmert sich rührend um die Gäste. Hin und wieder Lifemusik.
Preisniveau ähnlich wie bei Mateus. (Stand 2008 – geschlossen!)
Am Dorfrand (gleiche Straße wie Disco Bananas) befindet sich noch
eine kleine Bar Vulcan de Fogo, die von der freundlichen Belinda
geführt wird. Hier gibt es einen selbstgebrauten leckeren Ponche für kleines Geld.
(Stand Dez. 2004 – Besitzerwechsel – wird z. Zt. renoviert)
(Stand 2008 – beides geschlossen!)
Restaurant El Piscador
Gehobene Klasse, was sich an den Preisen bemerkbar macht. Hübsches Ambiente und leckere Fischspezialitäten. Ausgezeichnete Fischsuppe. Hierher geht man essen, wenn man speisen möchte.
(Stand 2008 – geschlossen!)
Restaurant Americos
Gute Fischgerichte sowie sehr gutes Personal.
Atmosphäre wie in einem Hallenbad im unteren geschlossenen Teil,
wesentlich gemütlicher und luftiger sitzt man auf der Terrasse. Preise
ähnlich wie Mateus und Fogo.
Restaurant Mar et l’Eau
Dieses Restaurant befindet sich östlich, am Ende des Ortes.
Spaghetti mit Meeresfrüchten sind ein wahrhafter Genuss aber
für hiesige Verhältnisse viel zu teuer.
Restaurant Nha Terra
Am Ortseingang gelegen. Das Essen wird im Innenraum serviert, Getränke nimmt man auf der Terrasse zu sich.
Der Service hat sich im Gegensatz zu früher gebessert, allerdings wird z.Zt. die Terrasse weder von Touristen, Einheimischen noch, wie früher Standard, von Musikanten besetzt. Wirkt etwas verlassen. Sehr günstig!
(Stand 2008 – geschlossen!)
Restaurant Por do Sol / Beschriftung lautet Aquarium
Man sitzt sehr schön auf der großen Terrasse direkt am Meer. Das Essen ist gut wie auch der Service, was allerdings die überhöhten Preise nicht rechtfertigt.
Restaurant Porto Novo
Der neue spanische Hafen hat leider nicht lange durchgehalten.
Hier gab es leckere spanische Gerichte. Heute lagern hier Surfbretter und Gerümpel.
(Stand 2004 – Wiedereröffnung – nicht ausprobiert!)
(Stand 2008 – wieder geschlossen!)
Eia-Bar Rolls-Roys
Schräg gegenüber dem Piscador. Zwei oder höchstens drei Gerichte zur Auswahl. Es schmeckt nicht nur sehr gut es ist auch noch ausgesprochen günstig.
Man darf ihn ruhig betreten, den auf den ersten Blick, wie ein Wohnzimmer wirkenden Raum mit 3 Tischen. Bei mehr als 8 Personen kommt automatisch Platzangst auf. Sehr nette Bedienung und der Wirt ist auch schwer in Ordnung. Er bereitet auf Wunsch einen Spezialponche zu, den er unter der Espressomaschine zum kochen bringt. Nach Genuss möglichst noch vor Ort vorsichtig testen, ob Kopf und Beine noch kombinierbar sind.
(Stand 2004 – existiert nicht mehr, da der Inhaber leider verstorben ist!)
(Stand 2008 – Afrikanischer Andenkenladen!)
Nada Ver
Ähnlich Eia-Bar, genau so klein, so gemütlich, so empfehlenswert.
Man kann meistens zwischen zwei Fischgerichten wählen. Am Ortsrand von Santa Maria.
(Stand 2008 – kaum noch erkennbar, da von mehrstöckigen Bauten umringt!)
Pizzeria Relax
Guter Kaffee und Kuchen. Ideal für den kleinen Hunger zwischendurch.
(Stand 2004 – inzwischen auch gutes Abendessen - gemütlich und sauber, allerdings sehr lange Wartezeiten, da gut besucht!)
Restaurant Dado
Von Gemütlichkeit keine Spur, lange Wartezeiten, manchmal knurriges
Personal, trotz großer Speisekarte selten wechselnde Gerichte. Gewünschte Getränke oft nicht vorhanden. Wein wird im Bierkrug serviert.
Es gibt so gut wie immer Thunfisch und Sera, der hervorragend schmeckt. Ob kühler Weis- oder Rotwein, beide passen hervorragend zum immer frischen Fisch.
Die leckeren Thunfischspaghetti sowie das Nationalgericht Cachupa werden in übergroßen Portionen serviert.
Das frisch gezapfte kühle einheimische Bier ist auch nicht zu verachten.
Der Nachtisch, wie Flan oder Bollhos de Coco, ist einfach köstlich und der Cafèsinho gepaart mit einem Verdauungsgrogue bilden den gelungenen Abschluss. Über Preise mag ich nicht reden, da ich dann noch länger auf einen freiwerdenden Tisch im einen Stock höheren neuen Billandcafè warten muss.
(Stand 2004 – leider geschlossen – den Grund hierfür konnte ich nicht herausfinden!)
(Stand 2008 – Neueröffnung gleich nebenan aber andere Atmosphäre!)
Vor meinem zweiten Kapverden-Besuch (1999), ebenfalls im Monat November wusste ich bereits zu Hause, dass ich für ein paar Tage die Vulkaninsel Fogo (Feuerinsel) besuchen würde. Drei lange Wochen hatte ich dieses mal Zeit, drei Tage davon allerdings ohne Koffer, der war in Frankfurt auf eine andere Reise gegangen, fand sich dann aber nach einem Umweg über Lissabon in Portugal und wieder Frankfurt endlich auf Sal ein.
Natürlich besuchte ich in Santa Maria als erstes wieder meinen geliebten Steg und einige Bewohner Sals, die ich beim ersten Aufenthalt kennen gelernt hatte. Die Begrüßung war außerordentlich herzlich und es war, als wäre ich nie fort gewesen. Viele nette Bekannte hatte ich bereits hier, zumal ich diverse Sachen, wie Medikamente, Bekleidung, Schreibutensilien für die Schule und vieles mehr bei meinem letzten Besuch dagelassen hatte. Die Menschen dort können wirklich alles gebrauchen, es gibt entweder nichts zu kaufen oder es fehlt am nötigen Kleingeld, um die überteuerten Dinge zu erstehen.
Am Abend ging es gleich zur Esplanada. Schon allzu lange hatte ich die herrliche Lifemusik entbehren müssen. Natürlich war ich bereits im Besitz einer beachtlichen CD-Sammlung kapverdischer Musik zu Hause im kalten Deutschland aber was ist das im Vergleich dazu, sie hier an Ort und Stelle genießen zu können. Auf den ersten Blick hatte sich nicht viel verändert, außer das sich zu meinem Bedauern im Gegensatz zum Vorjahr bedeutend mehr Touristen hier aufhielten. Inzwischen war es sogar angebracht, für den Abend einen Tisch zu reservieren. Mich wunderte, wie die winzig kleine Küche es noch immer schaffte, alle diese Gäste zufrieden zustellen und satt zu bekommen, aber irgendwie funktionierte es. Bestand die Dorfstraße im vergangenen Jahr noch aus lockerem Sand, so war sie nun bereits gepflastert und ein Bürgersteig war ebenfalls vorhanden.
Nach einer Woche relaxen auf Sal im gut geführten Hotel ‚Odjo d’Aqua‘ mit allerbester Lage direkt am Meer, ging es frühmorgens mit einer kleinen einmotorigen Propellermaschine ab in Richtung Vulkaninsel FOGO.