
Strand von Vila do Maio
Vier lange Wochen auf den Inseln der Sehnsucht liegen vor uns, als wir unsere Reise Anfang November 2005 antreten.
Am Frankfurter Flughafen kam ich bereits mit einem älteren Herrn ins Gespräch, der Cabo Verde ebenfalls seit vielen Jahren besucht und wir tauschten Erlebnisse und Erfahrungen der vergangenen Reisen auf die Kapverden aus.
Im Flieger saß er dann neben einem Farbigen, von dem ich annahm, dass er aus Gambia stammte, da die Zwischenlandung diesmal wieder dort erfolgte. (In den letzten 5 Jahren legte man den Zwischenstopp immer in Dakar/Senegal ein!) Da er sich aber angeregt mit ihm unterhielt, dachte ich dann, es sei dann doch ein Kapverdianer und fragte auf Portugiesisch nach, von welcher Insel er sei. Wie sich herausstellte, war er aus Sierra Leone, und die beiden hatten sich in englischer Sprache ausgetauscht, was ich akustisch nicht mitbekommen hatte.
Meine Frage aber wiederum hatte der direkt hinter mir sitzende Passagier mitbekommen, tippte mir auf die Schulter und sagte mit dem Lächeln der Kapverdianer: „Aber ich bin Capverdiano“. Und so bekamen mein Mann und ich bereits auf dem Hinflug viel Wissenswertes über die Inseln zu hören. Er war von São Vicente und ist dabei, dort am Fuße des Monte Verde, ein Haus zu errichten. Er lebt und arbeitet seit mehr als 25 Jahren in Hamburg und besucht, wenn möglich, ein bis zweimal jährlich seine Heimat und somit seine Familie. Materialien für das Haus besorgt er in Portugal aber auch in Deutschland.
Wir unterhielten uns über die Verschiedenheit der Kapverdischen Inseln, aber insbesondere natürlich über „seine“ Insel São Vicente. Er kannte auch den freundlichen Sr. Alberto, unseren damaligen Taxifahrer, der uns São Vicente so schön gezeigt hatte.
Weiterhin stellten sich viele Gemeinsamkeiten, vor allem die Kapverdische Musik betreffend, heraus und wir plauderten über diesen und jenen Sänger. Ich bot ihm an, sich die Musik auf meinem mp3-Player anzuhören, der voll gestopft ist mit allen möglichen Interpreten der Kapverden. Er war zwar erstaunt aber auch ein bisschen stolz, dass ein Deutsches Ehepaar diese Musik liebte und so viel über Cabo Verde zu erzählen hatten, und somit gerieten wir drei ins „Schwärmen“.
Über Mannheim kamen wir ins Gespräch, über der Schweiz bot er meinem Mann und mir das „Du“ an, über Südfrankreich lud er uns nach São Vicente in sein zwar erst halbfertiges Haus ein, aber Fenster seien bereits vorhanden, und ein Zimmer mit Bett wäre auch fertig und würde auf uns warten. Über Madrid – ich hatte ihm gerade wieder eine bestimmte Musik von dem Sänger Bana herausgesucht, und er steckte sofort die Kopfhörer in seine Ohren – sang er zwar gut aber so unüberhörbar laut in Kreol mit, dass die Leute in den vorderen Reihen sich fragend umdrehten, und die in den hinter uns liegenden alle sämtlich ihre Köpfe auf den Gang streckten. Es war so lustig, dass wir alle lachen mussten. Schon wieder ein musikalischer Kapverdianer und das schon bei der Hinreise. Es zeigt sich immer wieder; von 11 Cabos sind 10 musikalisch!
Erwähnen möchte ich noch kurz, dass er mit dem neben ihm sitzenden Passagier außerordentlich nett und ruhig umgegangen ist, obwohl dieser nach ein paar Stunden völlig betrunken (er führte immer wieder eine Plastiktüte zum Mund, in der sich eine Flasche befand!), ständig aussteigen wollte, obwohl sich die Maschine noch in der Luft befand. Es war ein ständiges Hin und Her mit Aufstehen, Einpacken, Auspacken, wieder hinsetzen usw. und ich weiß nicht, ob ich diese Engelsgeduld aufgebracht hätte.
Nun, nach einem Jahr Wartezeit, waren wir endlich wieder auf den Kapverdischen Inseln. Auf der Fahrt zum Hotel erkundigte ich mich gleich beim Taxifahrer, ob denn der Sänger von Esplanda de Mateus noch auftreten würde (er feierte schließlich dieses Jahr bereits seinen 78. Geburtstag!). Seine Antwort war „ja, natürlich“ und ich war beruhigt.
Gleich in den nächsten Tagen würden wir einige Besuche abstatten und alte und junge Freunde wieder sehen.
Auf den Empfangscocktail verzichteten wir gerne, da wir „keine neuen Informationen“ erwarteten, da wir uns am Airport Sal kurz mit der neuen Reiseleiterin unterhielten. Sie war sehr höflich aber ich merkte gleich, dass ihr Herz nicht an Cabo Verde verloren gegangen war, was sie mir später auch bestätigte. Ich mag, wie sie, ebenfalls gerne die tropischen Regionen, die viel grün zu zeigen haben, was CV auf einigen Inseln nun mal nicht hat aber wie inzwischen jeder, der meine Erzählungen gelesen hat weiß, liebe ich die Kapverdischen Inseln so wie sie sind. Sal, mit seinen herrlichen sauberen Stränden, Fogo mit seinem Bilderbuchvulkan und São Vicente mit Kultur und Musik soviel man will.
Und … wozu wir dieses Mal genügend Zeit hatten: Maio, die fast „Unberührte“ und eine der kleinsten bewohnten Inseln, zu besuchen.
Maio, schon seit Jahren geplant, einmal diese Insel zu sehen, jedoch aus irgendwelchen Gründen hatte es bisher nicht sein sollen. Nun hatten wir endlich das Ticket in Händen. Sal – Santiago/Praia und dann Vila do Maio. Viele Geschichten hatten wir gehört, wie das mit den Flugverbindungen „in die Hose gehen kann“ und wir hatten uns schon ausgemalt, dass wir vielleicht unsere Zeit dann halt in Praia verbringen würden und die Stadt genauer unter die Lupe nehmen wollten. Aber es kam ganz anders als befürchtet. Alles funktionierte fast nach Plan.
Allerdings ließ das Taxi zum Airport sehr lange auf sich warten, obwohl das Mädchen an der Rezeption immer wieder telefonisch nachfragte. Da wir die Warterei in der Halle der Rezeption nicht mehr aushielten, gingen wir mit unserem wenigen Gepäck Richtung Straße, um dort gleich ins Taxi einsteigen zu können, wenn es denn nun käme. Es kam irgendwann ein Wagen, wenn man dieses Gefährt noch so nennen durfte, dessen Fahrer ein Mädchen zur Arbeit ins Hotel brachte, und diesem Fahrer erklärten wir nun, dass wir schon überfällig seien, was die Meldezeit am Flughafen betraf. Er lud sofort unsere Tasche in den Kofferraum und schon ging die Fahrt Richtung Airport los. Er holte alles aus dem „Teil auf Rädern“ heraus, was es hergab und bei jedem „Kreisverkehr“ (sie sind für spätere Ausbauten bereits angelegt, es gehen aber keine anderen Straßen ab, sondern nur die, die zum Flughafen führt!) wurde mir Angst und Bange, ob das Vehikel dies aushalten würde.
Es rappelte und klapperte und die Karosse quietschte und heulte bei jeder Lenkradbewegung auf. Auf waren auch sämtliche Fenster, da sie sich nicht mehr schließen ließen. Wir duckten uns so gut wir konnten, denn der Wind pfiff an diesem Tage ganz ordentlich.
Wir kamen trotzdem gerade noch rechtzeitig an, bevor die Maschine Richtung Praia abhob.
Wie auf dem Flugticket angegeben, landeten wir auch pünktlich auf dem Puppenstuben-Airport Maio, nachdem in Praia auch zeitmäßig alles gut abgelaufen war.
Nun waren wir auf der Insel „im Abseits“. Die Fahrt mit dem Aluguer führte uns durch karges Gelände bis sich nach wenigen Minuten ein Ort auftat. Mein erster Eindruck war der Mauer und des dahinter liegendes blauen Meeres wegen „klein Havanna auf Cuba“.
Wir waren, nachdem die übrigen Reisenden im Hotel Bom Sossego abgeliefert wurden, die einzigen Gäste, die in das andere der beiden Unterkünfte, dem Hotel Marilu, in Vila do Maio, gebracht wurden.
Es gibt nicht nur ein Wort für den ersten Eindruck, den wir von dem Ort hatten: Idyllisch, urtümlich, romantisch, wunderschön einsam und ruhig und wir hatten seit dem ersten Augenblick das Gefühl, dass hier die Uhren anders gehen; auf gar keinen Fall laufen!
Der Hauptort Vila do Maio
Mit Sicherheit sind Wörter, wie Hektik und Stress oder Eile und Unruhe im Vokabular der Insulaner nicht vorhanden. Alles, aber auch wirklich alles geht mit einer eigenartigen, uns abhanden gekommenen Ruhe und Gelassenheit vor sich, an die wir uns sehr, sehr schnell gewöhnen mochten.
Bei der Ankunft im Hotel bot man uns mehrere Zimmer zur Auswahl an. Und jetzt das Ungewöhnliche, nicht das größte Zimmer mit Ausblick hin zum Meer (in Europa würde es in jedem Hotel immer das Zimmer Nr. 1 sein!) war das Beste, was man uns anzubieten hatte, sondern das, mit zusätzlichem Balkon, welches Ausblick zur Dorfstraße bzw. zum Kirchplatz hin hatte. Da wir auf Sal schon viel „Meer“ gesehen hatten, entschieden wir uns für den Kirchplatz.
Wie man uns später eingehend aber freundlich belehrte, handelt es sich hierbei nicht nur um eine gewöhnliche katholische im Portugiesischem Kolonialstil erbaute Kirche mit mächtigen Türmen In Wirklichkeit sei es eine Kathedrale im Barock-Stil, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde.
Die Kathedrale von Vila do Maio
Dieser Platz um die Kathedrale herum und die von dort weiterführende Straße ist der Mittelpunkt dieser „Hauptstadt“ der Insel. Wie sehr haben wir diese Ruhe genossen, die nur allabendlich durch die bei Sonnenuntergang unternommenen Rundgänge der Dorfbewohner unterbrochen wurde.
Es scheint wirklich die einzige Beschäftigung zu sein, der man allabendlich außerhalb der eigenen vier Wände nachgeht. Nach Sonnenuntergang regt sich draußen kaum noch etwas.
Übrigens nochmals bestätigt, dass hier die Uhren anders gehen, wurde es bei der Frage nach der Frühstückzeit „zwischen 6:30 Uhr und 8:30 Uhr“ war die Antwort. Wir haben aber dann doch noch bis max. 9:00 Uhr herausschlagen können!
Was das erste Aufwachen auf Maio betrifft – draußen immer noch stockdunkel - bin ich mir bis heute nicht sicher, ob Hahn Nr. 57 Hahn Nr. 18 begrüßte, oder Hahn Nr. 48, Hahn Nr. 12. Also, wenn man nicht gerade vom Lande kommt, ist das schon ziemlich ungewohnt. Wir hatten bei unserem ersten Spaziergang durch den Ort schon festgestellt, dass zu fast jedem Häuschen mindestens ein Hahn mit drei Hennen zugeordnet werden konnte. Weiter oben im Ort lagen außerdem dicke Schweine vor den Haustüren, die uns beim Vorbeigehen grunzend begrüßten. Ziegen aller Farben und Größen liefen überall im Dorf umher!
Da die Mehrzahl der Wohnhäuser, die aneinandergereiht sehr klein sind, sicherlich keine Stallungen besitzen, hält man das Vieh eben einfach vor dem Haus. Auch haben wir es erlebt, dass Rinder durch das Dorf geführt wurden.
Die Menschen hier, ob alt ob jung sind alle samt außerordentlich freundlich und grüßen einen herzlich, obwohl man „Fremder“ ist. Es ist wohl auch dies, was uns immer wieder auf die Kapverdischen Inseln „zieht“, diese Liebenswürdigkeit der Insulaner, die selbst den Emigranten nicht verloren gegangen ist, selbst denen nicht, die zurückgekehrt, im Ausland zu mehr oder weniger Wohlstand gekommen sind. In den vielen Jahren, die wir Cabo Verde besuchen, ist uns bis jetzt noch nicht ein hochnäsiger, eingebildeter Kapverdier über den Weg gelaufen.
(Während ich dies hier aufschreibe, bzw. mir ein paar Notizen mache, haben die Hähne - es ist inzwischen 8:30 Uhr und die Sonne ist bereits aufgegangen - ihre Begrüßung immer noch nicht abgeschlossen!)
Nach einem liebevoll zubereiteten guten Frühstück im Hotel Marilu gingen wir auf Erkundungsreise in den Ort. Mein Bestreben war außerdem, das Elternhaus einer Bekannten aufzusuchen, die auf Maio aufgewachsen ist. Kennen gelernt hatten wir uns im vorangegangenen Jahr auf Sal und mit dem Gedanken gespielt, im kommenden Jahr zusammen nach Maio zu reisen.
Zur Zeit unseres Besuches arbeitete sie jedoch auf der Insel Santiago in einem Hotel in Praia.
Ich hatte ein paar Sachen für sie und die Familie dabei und wollte sie dort abgeben, wusste aber nur ihren Vornamen „Liliana“ und dass ihr Vater Fischer sei. Tatsächlich gelang es durch Befragen einiger Leute auf der Straße, das Haus der Eltern zu finden. Anwesend waren allerdings nur ihre Schwestern, aber trotzdem war die Freude groß.
Wir wurden gleich ins Haus gebeten, welches aus einem Raum bestand, abgeteilt durch einen Vorhang, wobei ein Bett den abgetrennten Raum ausfüllte. Plötzlich rief mich eine der Schwestern, schnell zu ihr zu kommen. Sie hatte Liliane am Telefon. (Es war in diesem bescheidenen Fischerhaus tatsächlich eines vorhanden!)
Die Überraschung und Freude war riesengroß, als sie erfuhr, dass wir bei ihr zu Hause waren, aber gleichzeitig war sie überaus traurig, dass eben sie nicht zu Hause sein konnte, weil der Job in Praia vorging.
Viel sprechen konnten wir beide nicht, weil wir beide weinen mussten.
Irgendwann, vielleicht schon nächstes Jahr, werden wir Liliana sicher wieder sehen. (so geschehen 2007 auf Sal!)
Bei dieser Gelegenheit wurde mir überaus bewusst, wie es den Menschen im fernen Ausland, weitab ihrer Familie gehen muss, wenn sie miteinander telefonieren oder aber sich nur schreiben und lange Zeit nicht wieder sehen können. Und hier ist mit Cesaria Evora’s Lied „Saudade“ wieder alles gesagt.
Auf dem Flug von Praia/Santiago nach Maio lernten wir einen Deutschen kennen, der auf Maio lebt. Er lud uns ein, ihn doch einmal zu besuchen, was wir dann auch taten. Sein Haus lag an der Uferstraße und beim näher kommen sahen wir, dass ein großes Schild mit der Aufschrift „Immobilien“ angebracht war. Neugierig betraten wir das Haus, denn hier auf dieser abseits gelegenen Insel hatten wir nicht unbedingt erwartet, dass Deutsche bereits „in Immobilien machen“.
Er, Georg (Ingenieur) und sein Kompagnon Peter, der schon viele Jahre auf den Kapverden lebt und arbeitet, planen ein großes Bauprojekt auf Maio, im Süden der Insel und wollen sich gleichzeitig damit einen Traum erfüllen.
Sie schlugen uns vor, dass wir uns diese Stelle, wo in den nächsten Jahren ein großes Bungalowdorf entstehen soll, einmal ansehen sollten.
Mit einem Pick Up, mein Mann und Georg auf der Ladefläche, ging die Fahrt zunächst über Kopfsteinpflaster in südliche Richtung los. Nur 13 km lagen vor uns. Die gepflasterte Straße ließ allerdings nicht mehr als 20-30 km/h zu.
Sie führte durch eine wild herbe, zerklüftete Landschaft, die zwar bedeutend mehr grün aufwies, als z.B. Sal, aber eher sagte „geh weg, hier gibt’s nix“, mich aber dennoch faszinierte, weil es eben außer purer Natur nichts gab.
Man hat hier robuste brasilianische Akazien angepflanzt, (wie ich hörte, hat ein Deutsches und Belgisches Entwicklungsprojekt seit 1975 für die Aufforstung gesorgt)! deren Wurzeln sich bis zu 20 m tief in den Boden bohren um so Wasser aufnehmen zu können. Ist kein Wasser vorhanden, sollen sie sogar mehrere Jahre ohne dieses auskommen können und während dieser Zeit ihr Wachstum vollkommen einstellen.
Ideal für ein so wüstenhaftes Eiland. Diese Bäume vermehren sich inzwischen von selbst und man hat dadurch genügend Holz für die Herstellung von Holzkohle, womit inzwischen der gesamte Archipel versorgt wird.
Nach einigen Kilometern passierten wir den kleinen netten Ort Figueira da Horta. Hier war ein bisschen Leben auf den Straßen, nachdem wir unterwegs nur Ziegen begegnet waren. Nach einigen weiteren Kilometern nahm Peter einen Fußgänger auf, der zu seinem Dorf unterwegs war. Irgendwo in dieser Einöde, das Dorf konnte ich noch nicht sehen, ließ er ihn wieder absteigen und bog von der Pflasterstraße ab und fuhr quer-wüste-ein in Richtung „Meer“.
Was sich nun für ein Bild auftat, als wir die Küste erreicht hatten, lässt sich einfach nicht in Worte fassen. Mein Vokabular reicht hierzu einfach nicht aus!
Zur linken, auf einem Hochplateau ein kleiner Ort „Ribeira Dom João“ (in früheren Zeiten so angelegt zum Schutz vor Piraten). Zum Meer hin nur kleine Luken und Fensterchen. Wären die Häuser z. T. nicht farbig gewesen, hätte es wie eine Felswand ausgesehen.
Zur rechten eine wunderschöne große Bucht in traumhaften Farben, menschenleer und bezaubernd schön. Wir befanden uns auf einem, dem Dorf gegenüberliegendem Felsplateau und hatten somit diesen unbeschreiblich schönen Ausblick auf das Dorf und diese zauberhafte Bucht.
Die Fotos können diesen zauberhaften Ausblick nicht annähernd wiedergeben!
Wir waren berührt davon, dass es noch derart gottverlassene wunderbare Fleckchen auf der Erde gibt und ich frage mich bei solchen Gelegenheiten immer, wie sich die früheren Seefahrer bei ihren Entdeckungen gefühlt haben müssen.
Nach einigen Minuten der sprachlosen Begeisterung brachte ich nur heraus, dass man hier doch einfach alles so lassen sollte, wie es jetzt war. Die Beiden meinten allerdings, dass dann schnell „ein anderer“ käme und die Bebauung hier realisieren würde. Der traumhafte Fleck hat bereits auch einen Namen und zwar „Tartaruga-Resort“.
Auf dem Bebauungsplan ist unschwer erkennbar, dass es sich bei den drei
Felsplateaus um die Form einer Schildkröte handelt.
Später fuhren wir dann hinein in diesen kleinen Ort und meine Begeisterung war wiederum groß, so schön und vor allem vollkommen sauber und aufgeräumt hatte ich es nicht erwartet. Wir hielten an einer kleinen Bar, die zwar geschlossen war, aber umgehend geöffnet (nach unserem Verlassen aber sofort wieder
geschlossen!) wurde, nachdem man uns gesichtet hatte und nahmen ein kühles Bierchen zu uns, übrigens zur Hälfte des Preises wie z.B. in Santa Maria auf Sal.
Auf der anderen Wegseite saßen ein paar Männer und Jugendliche im Schatten eines Hauses und vertrieben sich die Zeit, in dem sie leise zu den Klängen eines Gitarrenspielers sangen.
Was eine wunderbare Atmosphäre, von der wir im hektischen Europa immer nur träumen können. Wieder war dieses „Saudade“-Gefühl da! (Heimweh). Hier bekamen wir es schon zu spüren, obwohl wir das Land noch nicht einmal verlassen hatten.
Wenn Peter nicht zum Aufbruch gemahnt hätte, ich wäre sitzen geblieben, so verträumt war dieser kleine Ort, so verträumt war ich ebenso. Bevor wir abfuhren, sprach mich noch ein Einwohner an, der sich als der Lehrer der dortigen Schule vorstellte und wir sollten uns doch diese unbedingt ansehen. Wie liebend gerne hätte ich dies getan, aber wir wollten an diesem Tage ja noch ein wenig mehr von der Insel sehen.
So führte dann die Fahrt zurück über die einzige gepflasterte Straße über Vila do Maio nach Calheta. Ein verschlafenes Fischerdörfchen, in dem, es war früher Nachmittag, nur die vielen Schweine, die sich am Strand aufhielten, aktiv waren.
Sauen mit oder ohne Nachwuchs waren die einzigen Badegäste. Ich konnte nicht umhin, sofort diesen Strand „Die Schweinebucht“ zu nennen!
Unser Gastwirt aus dem Marilu erzählte uns später, dass er dort gerne schwimmen gehen würde. Ginge er ins Wasser, gingen die Schweine mit hinein und er hätte seinen Spaß, mit ihnen zusammen ein Bad zu nehmen. Auch werden hier die wenigen mageren Rinder ins Wasser gebracht und gebadet, mit Sand abgescheuert, um das Ungeziefer in Grenzen zu halten. Am Strand von Villa do Maio sah ich, wie ein kleiner Junge Winzlinge von jungen Hunden ebenfalls so behandelte. Sie schauten nicht gerade glücklich drein.
Calheta
Aber zurück zur Tour – Von Calheta, wo die asphaltierte Straße wiederum endet, ging es zurück nach Morro.
Hier gibt es 2 Touristenzentren im Miniformat.
„Bella Vista“ hat einige Bungalows aufzuweisen, wobei sich momentan jedoch nur ein Touristenpaar eingemietet hatte.
„Tartouga Club“ empfohlen in vielen Reiseführern als gehobene Klasse, in dem man des französischen Besitzers wegen, selbst guten franz. Rotwein bekäme. Preise doppelt so hoch, wie in den übrigen Unterkünften auf Maio.
Wie man uns erzählte, stehen die im afrikanischen Stil erbauten Rundhütten kurz von dem Ruin. Ein paar Insulaner würden die halbwegs intakten Bauten zwar noch bewohnen aber langsam würde halt alles zerfallen.
Der Grund hierfür ist ein wirklich sehr trauriger. Wir haben es mehrfach erzählt bekommen aber wissen dennoch nicht, ob es der Wahrheit entspricht, aber dieser besagte Besitzer soll sich an kleinen Kindern vergangen haben. Er sei, was wir viel zu milde finden, für 5 Jahre weggesperrt worden. Somit ist so ein Traumarchipel auch nicht sicher vor solchen kranken Kinderschändern. Man kann nur hoffen, dass nicht all zu viele Kinder fürs Leben unglücklich gemacht wurden!
Weg von diesem Gespensterplatz und zurück zu dem bunten Dorf Vila do Maio.
An den meisten Tagen, die wir auf Maio verbrachten, zeigte sich der Himmel eher bewölkt und es blies ein recht heftiger Wind. Die Einwohner versicherten uns, dass dies selten sei! An einem Tag, an dem sich die Sonne einmal ein wenig zeigte, gingen wir zu dem nahe gelegenen großen Strand, den wir zunächst nur mit einem Menschen teilten, einem französischem Tourist, der bereits das 5. mal Maio besuchte, um hier zu surfen. (Noch war sein Surfbrett nicht eingetroffen, kam aber 3 Tage später doch noch an!) Wir legten uns in den Windschatten der wenigen Fischerboote, die dort an Land standen.
Nach kurzer Zeit kamen einige Männer zum Strand herunter und machten sich emsig an einem der Boote zu schaffen. Mit von der Partie war ein Mann, der einige Tage zuvor aus Rotterdam angereist war und hier auf seiner Heimatinsel seinen Urlaub verbrachte.
Man erkennt die Emigranten meist gleich an der besseren, moderneren Bekleidung und am Schmuck, den man, zu Wohlstand gelangt, gern zur Schau stellt. Ein Goldkettchen und eine gute Uhr müssen es unbedingt sein!!
Man schleppte einen Motor heran, befestigte ihn am Boot und gemeinsam mit Hilfe meines Mannes wurde das Boot ins Wasser geschoben. Wir nahmen an, dass man kurz den Motor testen wollte, denn nach weniger als 15 Minuten kam das Boot bereits zurück und wurde wiederum mit unserer Hilfe, an Land gezogen. Was wir in dem Boot sahen, schlug, was die Fischerei betrifft, jegliche Rekorde. Eine Vielzahl von verschiedensten Fischen bedeckte den gesamten Boden.
Überaus viele große und kleine, uns unbekannte Fische aber auch Garoupas, Sägefische, Bicas und 3 große Moränen waren die Ausbeute von nur wenigen Minuten.
Eilig kam eine Frau mit einer sehr großen Plastikschüssel herbei; ein Teil des Fanges wurde hinein gegeben und sie transportierte diese schwere Schüssel (2 Männer wurden dazu benötigt, um sie hochzuheben), wie hier üblich, auf dem Kopf fort.
Aufgenommen auf Sal
Die Moränen erschlug man mit einer großen Holzlatte. Ich habe wegsehen müssen, hörte jedoch anhand der vielen Schläge, dass sie wohl nicht allzu schnell ins Jenseits befördert werden konnten. Auf die kleineren Fische legte man übrigens keinen Wert. Sie lagen später in einer Vielzahl am Strand herum.
Was für ein Fischreichtum hier auf Maio! Jeder Angler oder Fischer in Deutschen Landen würde sich die Finger danach lecken!
Am gleichen Tag, an dem wir dann abends in einer kleinen Bar, nach einem leckeren Mahl (es gab köstlichen marinierten Fisch, allerdings ohne alles!!), ein Getränk zu uns nahmen, erzählte uns ein Dorfbewohner, dass die hier lebenden Fischer bedeutend mehr erwirtschaften könnten, würden sie mehr arbeiten wollen. Man ginge lediglich Dienstags, Mittwochs und Donnerstags zum fischen,
Freitags würde das Wochenende „eingeläutet“, Samstags und Sonntags würde am Strand das Wochenende gefeiert, in dem man gemeinsam mit Familie und Freunden dort grillt, ja, und Montags müsse man sich eben vom Wochenende erholen.
Leider haben wir dieses mal kein Wochenende auf der Insel Maio verbringen können, da wir schon Samstags zurückflogen, um die Eröffnung der neuen kleinen Bar, die unser Freund Mateus seiner Frau in Santa Maria auf SAL eingerichtet hatte, am 05.12.2005 mitfeiern zu können. Wir hatten zuvor eine schriftliche Einladung erhalten und wollten auf gar keinen Fall fehlen.
Weiter geht es - nach Rückkehr von der Insel Maio - unter Reiseberichte Insel Sal