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Boa Vista

Insel der Palmen, Schiffwracks und schönsten Strände des Archipels

Boa Vista („Schöne Aussicht“), die drittgrößte Insel, hatte uns in den Jahren zuvor, in denen wir unseren Urlaub auf Cabo Verde verbrachten, nie besonders angezogen. Bis auf drei der neun bewohnten kapverdischen Inseln, Brava, Sao Nicolau, Santo Antao hatten wir uns bereits alle anderen angesehen und waren, wie in früheren Reiseerzählungen berichtet, jedes Mal begeistert von der Schönheit, die jede einzelne Insel für sich zu bieten hatte. Von Sal aus war Boa Vista, je nach Wetterlage, im Dunst des Atlantiks, so greifbar nahe (ca. 50 km), dass wir keinen großen Reiz verspürten, hinüber zu kommen, zumal uns immer wieder von Leuten, die die Tour dorthin mit dem Katamaran, der vom Hotel Morabeza betrieben wird, berichtet wurde, dass die Reise sich nicht gelohnt hätte. Es sähe dort ähnlich aus wie auf Sal und die Überfahrt wäre eine einzige Tortour. Nicht nur wegen des Wellengangs sondern die Plätze unter Deck ließen nicht einmal für eine kleine Person ein aufrechtes Sitzen zu. „Mückenplage“ und „Insel in italienischer Hand“ waren weitere Aussagen, die uns von einem Besuch abgehalten hatten.

Wie so oft im Leben ist es einem Zufall zu verdanken, dass wir dann doch nach Boa Vista kamen. Immer, wenn es uns die Zeit erlaubt, mehrere Wochen auf den Inseln zu verbringen, zieht es uns, nach einiger Zeit Relaxen an den schönen Stränden auf Sal, in das dort ansässige TACV-Büro. Sao Nicolau wäre zwar möglich, jedoch zu diesem Zeitpunkt nur über Praia/Santiago zu erreichen gewesen. Mindestaufenthalt 8 Tage, da vorher kein Rückflug frei war.Zu Maio bekamen wir eine ähnliche Auskunft. (Stand August 2007 – Flughafen Maio ist bis auf weiteres gesperrt – Rep.-Arbeiten benötigen ca. 3-6 Monate). Irgendwie ging gar nichts – außer Boa Vista, und das war gut so.

Der im Bau befindliche internationale Flughafen von Boa Vista - Eröffnung war vorgesehen in der ersten Hälfte des Jahres 2007.

Nach nur ca. 30 Minuten Flug landeten wir auf Boa Vista. Wir wurden zu einer überdachten Halle geführt, an welche die mit Koffern, Kisten und in allen möglichen Formen verschnürten Pappkartons beladenen Gepäckkarren geschoben wurden. Jeder der ca. 35 Fluggäste konnte sich sein Gepäckstück entnehmen und danach wurde man durch einen mit Bändern gekennzeichneten Gang zum Ausgang geleitet. Dieser bestand aus einem ca. 2 m hohen Maschendrahtzaun mit einer kleinen Türe, hinter der erwartungsvoll etliche Taxifahrer nach Kunden Ausschau hielten und lautstark ihre Dienste anboten. Man musste durch diesen Pulk hindurch, koste es was es wolle! In derartigen Situationen „Gott sei Dank“ der portugiesischen und ein wenig auch der kreolischen Sprache mächtig, können ein paar Worte Wunder bewirken. Somit konnten wir uns in aller Ruhe das Fahrzeug bzw. den Fahrer aussuchen, den wir wünschten. Wir entschieden uns für einen weißen Jeep, der von einem jungen Mann, namens José gesteuert wurde. Mit uns fuhr noch eine Frau mit ihrem hübschen Kind, die uns bereits bei Abflug in Sal aufgefallen war. Wir hatten gerätselt, ob sie Westafrikanerin sei, da sie die für dort typische Landestracht in Form des aufgetürmten bunten Kopftuches zum passenden langen Kleid trug. Auf der Fahrt nach Sal Rei sagte sie uns, dass sie mit ihrem Kind in Praia auf Santiago lebt und ihre Verwandten auf Sal besucht hat und nun die übrige Familie auf Boa Vista besuchen wollte.

Unsere Unterkunft - Pousada Boa Vista (ca. 200 m vom Meer entfernt) an der Rua dos Emigrantes– hatten wir bereits auf Sal gebucht und bezogen sie nun für einige Tage. Unser Zimmer; modern eingerichtet, geräumig und sehr sauber. Eine Reiseleiterin, der wir noch kurz zuvor in Santa Maria auf Sal begegnet waren, hatte sich übrigens für die gleiche Unterkunft entschieden. Wir sahen uns am nächsten Morgen beim Frühstück und sie war genau so erstaunt wie wir.

Der erste Weg führte uns zum „Largo de Santa Isabel“, dem zentralen Platz in Sal Rei (wurde erst später von Porto Inglés in Sal Rei umbenannt, da ursprünglich von den Engländern gegründet). An diesem Platz befindet sich die kath. Kirche Santa Isabel, mit ihren mächtigen Stütztürmen und ein zweistöckiges jüdisches Handelshaus, welches in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. Bereits im Jahre 1850 ließ sich die jüdische Familie Ben O’Liel, aus Rabat stammend, auf Boa Vista nieder und handelte mit Salz, Kalk (zum Tünchen der Häuser), Fleisch, Ziegenkäse, Baumwolle und der Farbstoffpflanze „Urzela“ und später auch mit Keramik/Ziegel.

Katholische Kirche Santa Isabel

Leider glich der Ortskern zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes eher einem Trümmerfeld. Sal Rei befand sich im Umbruch; und zu renovieren gab es genügend. An allen möglichen Stellen zugleich hatte man die Pflastersteine entfernt und zu Bergen aufgetürmt. Lediglich die Kirche und das daneben stehende Haus strahlten bereits in frischen Farben.Wir konnten uns dennoch gut vorstellen, dass hier, nach Abschluss der Renovierungsarbeiten einmal ein zum Verweilen interessanter, allerdings ein wenig zu groß geratener Platz entstehen wird.

Platz "Largo de Santa Isabel" mit dem jüdischen Handelshaus in der Renovierungsphase

Nach einem Spaziergang durch die Gassen der Altstadt mit ihren freundlichen Menschen, die sich meist außerhalb ihrer in Pastelltönen gestrichenen Einzimmerhäuschen aufhielten, zog es uns in Richtung Meer. Nach wenigen Schritten erreichten wir die „Avenida dos Pescadores“. Hier herrschte ein buntes Treiben; Marktfrauen boten ihre bescheidenen Waren, wie Obst, Gemüse oder farbigen Plastikschüsseln an; Männer saßen plaudernd in Gruppen beisammen oder beschäftigten sich mit dem auf den Kapverden so beliebten afrikanischem ORIL-Spiel. (Anleitung am Ende des Berichts!)

Der Weg führte uns weiter zu dem alten Hafen, mit dem Strand Praia de Diante, der durch die vorgelagerte Insel „Ilhéu de Sal Rei“ nicht nur einen traumhaft schönen Anblick bot, sondern auch eine ganz außergewöhnliche Atmosphäre vermittelte. Hier lag ein Zauber in der Luft, der einen ungeahnt rasch loslöste von Raum und Zeit.
Größere Schiffe ankerten weiter draußen. Mit kleinen Fischerboten wurde die Fracht gelöscht und auch hier, direkt auf dem Hafenkai, boten die Händler ihre Ware feil. Das Handeln obliegt auf Cabo Verde meist den Frauen, die teilweise ihre Stimme gewaltig anheben können, wenn ihnen der gebotene Preis nicht zusagt. Rechts des Kai’s, an dem kleinen Stadtstrand herrschte normales Strandleben. Strand und Wasser sind zwar nicht so sauber, wie man es allgemein von den Kapverden gewohnt ist, was aber den vielen Kindern, die sich im Wasser tummelten oder denen, die auf ihren selbst gezimmerten Holzbrettern das Wellenreiten übten, offenbar nichts ausmachte.

Hier mochten wir uns etwas länger aufhalten. So nahmen wir auf den modernen Stühlchen der Wellblech-Bar „TÉMANCHÉ“, was soviel wie „Beendigung des Tages“ bedeutet, Platz. In der Tat war die Zeit hier in Sal Rei schnell vergangen und nur kurze Zeit später wurde uns bewusst, warum diese Bar diesen Namen trug.

Gesehen bzw. erlebt haben wir unzählige schöne Sonnenuntergänge und es gibt Fotos in allen Variationen, z.B. wie sie im Meer versinkt, zwischen Palmen untergeht, in der Wüste verschwindet usw. aber dieser auf Boa Vista zählt zu den Highlights der Sonnenuntergänge. Es ist einer „wie er im Buche steht“! Man sollte ihn keinesfalls verpassen! Ein Foto kann diese Sensation und dazu in dieser Atmosphäre nicht annähernd wiedergeben, weshalb wir uns die Abbildung ersparen.

Nach diesem Erlebnis war es nun an der Zeit, etwas für das leibliche Wohl zu tun. Auf Boa Vista in Sal Rei gar nicht so einfach! Man muss, was wir nicht wussten, das Essen viele Stunden im Voraus bestellen. In welchem Restaurant bzw. Bar wir auch eintrafen, ob mit Namen Rosy, Naida, Elisa oder Maresia, sehr viel Auswahl hat man in Sal Rei nicht, überall vollbesetzte Tische, (oft gibt es ja auch nur drei!) teils langes Anstehen schon außen vor dem Restaurant (überwiegend italienische Besucher, die das Warten zu einem Plauderstündchen nutzten!) In einem nicht besetzten Lokal trafen wir nur die von der Arbeit total erschöpfte Wirtin an, die nun absolut nicht mehr in die Küche gehen mochte.
Ein wenig Glück hatten wir dann doch noch, als wir in der Esplanada Sylves, (empfehlenswert, gute üppige Fischgerichte, sehr nette aufmerksame Bedienung, zivile Preise) nach einem Abendessen fragten. Dort hatte sich für den Abend eine Großfamilie zum Essen angemeldet und somit hatte man reichlich eingekauft. Das Restaurant liegt gegenüber dem Mercado Municipal und unweit der afrikanischen Shops.

Das kommende Abendessen bestellten wir dann vorsichtshalber gleich am nächsten Vormittag. Auf Sal hatte uns ein Bekannter den Standort der Bar seines Freundes „Camillo“ beschrieben, (Querstraße zwischen der Rua dos Emigrantes Richtung Rua Boa Vista) die von außen nicht als diese erkennbar sei. (Familienbetrieb, gutes Essen, sehr preiswert, sehr liebe Bedienung aber auch sehr einfach!)

Wie verabredet holte uns José am nächsten Morgen mit seinem Geländewagen ab, um uns seine Insel zu zeigen. Das mein Mann und ich uns für eine Tour in den Nordosten entschieden hatten, freute ihn besonders, denn er stammte aus Jóao Galego. Die Fahrt ging entlang der Straße, die stellenweise stark mit Flugsand bedeckt war, von Sal Rei nach Rabil, dem alten Hauptort.
Auf dem Weg dorthin überquerten wir eine üppig bewachsene Lagune, ähnlich einem Flusslauf, an dem sich zahlreiche Zug- und Wasservögel aufhielten. Wie uns José berichtete, soll diese Stelle in den frühen Morgenstunden und vor Sonnenuntergang ein „Eldorado“ für Ornithologen sein.
Rabil hatte außer einer Töpferei wenig Sehenswürdigkeiten zu bieten. Auch wenn das Angebot an getöpferter Keramik eher klein war, der Besuch lohnte sich dennoch. Der Brennofen steht im übrigen allen Bewohnern von Rabil zur Verfügung; es muß lediglich für das Gas gesorgt werden.

Die Fahrt führte weiter durch einen Tamariskenwald, wie man ihn sonst nur in Afrika vorfindet. Man ist sich bis heute nicht einig darüber, ob die aus dem Senegal stammenden und dort vorkommenden Tamarisken seinerzeit angepflanzt wurden, um den hohen Wanderdünen Einhalt zu gebieten oder ob sie sich von alleine angesiedelt haben.

Wohin man auch schaute, überall waren Dattelpalmen in allen Größen zu sehen. Sie ragen in Gruppen oder auch einzeln stehend aus dem hellen, fast weißen Wüstensand, was für uns Europäer ein schönes exotisches Bild darstellt. Die Insulaner jedoch kämpfen seit jeher gegen den Sand, der nicht nur aus der Sahara herübergeweht, sondern auch vom Meer herangetragen wird und weiter in der Bodenerosion seine Ursache hat. (Mehr als 1/5 der Insel ist von ihm bedeckt!) Anfang des 19. Jahrhunderts versandete Sal Rei sogar so stark, dass viele Häuser unbewohnbar wurden. Wohl bekanntester „stummer Zeuge“ ist der auf Postkarten vielmals abgebildete, einsam aus den Dünen ragende und schon von weitem sichtbare Schornstein der Ziegelei, die inzwischen fast vollkommen vom Sand verschluckt wurde.

Immer wieder fuhren wir an mächtig beladenen Mauleseln vorbei – oft nur als ein sich gemächlich fortbewegender Lastenberg mit 4 Beinen auszumachen - das für hier typische Transportmittel. Aber auch die zahlreichen Ziegen, die scheinbar selbst in den kargem Geröllwüsten noch Fressbares finden, gehören, wie auf der Insel Maio auch auf Boa Vista zum Landschaftsbild.

Der helle Saharasand prägt zwar die gesamte Insel, doch das Grün der Oasen, das Weiß der Strände und meterhohen Wanderdünen, die verschiedenen Brauntöne der Berge und Sandwüsten, eingerahmt durch das kräftige Blau und Türkis des Atlantiks schafft dem Betrachter immer wieder eine faszinierende Abwechslung.

Von Rabil aus führt die mit Kopfstein gepflasterte Straße in weitem Bogen ein wenig bergauf zum Ausblick auf die große Ebene „Campo da Serra“, Durchmesser ca. 15 km, einer eher öden Sand- und Geröllwüste, die wie eine Mondlandschaft wirkt aber dennoch ihren Reiz hat. Möglicherweise handelt es sich hier um einen erloschenen Vulkankrater. Sie ist im Südosten umgeben von einer halbrunden Gebirgskette, deren höchster Punkt ca. 350 m ist. (Höchster Punkt auf Boa Vista ist der im Südosten gelegene „Monte Estáncia“ mit 387 m).

Campo da Serra - endlose Kopfsteinpflasterstraße aus der portugiesischen Kolonialzeit

Der Geburts- und Wohnort unseres Fahrers „Joáo Galego“, den wir nach dem Durchfahren dieser Ebene und Überquerung eines kleinen Passes erreichten, hätte sich auch irgendwo im Landesinneren von Spanien oder Portugal befinden können. Beschauliche dörfliche Idylle, einstöckige weiße, bunte oder pastellfarben gestrichene Häuser mit kleinen Gemüsegärten, überall leuchtend blühende Hibiskus- und Bouganville-Sträucher, gepflegte Straßen, kleine Alleen, ein kleiner Dorfplatz mit Palmen und blühenden Blumen.

Die zwei Nachbarorte „Norte“ („Fundo das Figueiras“), als Hauptort und „Cabeco dos Tarafes“ gaben das gleiche aufgeräumte, schon ein wenig nach Wohlstand wirkende Bild wieder.

Wie uns José berichtete, ist man hier schon seit langem mit Elektrizität und Telefon versorgt und es gibt Schulen und Kindergärten. Viele hier ansässige Familien würden durch die im Ausland lebenden und arbeitenden Verwandten finanziell unterstützt. Somit hatte auch er das Glück und konnte sich einen Geländewagen zulegen, mit dem er Besucher über die Insel chauffiert und sich somit seinen Unterhalt verdient.

Wir waren wirklich überrascht, dass sich nach der Fahrt durch diese karge Mondlandschaft an solch einem entlegenen Winkel uns derart schmucke Dörfer zeigten.

Hinter dem dritten Ortsteil „Cabeco dos Tarafes“ führt eine Piste zu den einsamen Stränden des Südostens, die wir uns vielleicht beim nächsten Besuch anschauen werden. Es sind zwar nur ca. 40 km, jedoch braucht man alleine für diese Strecke, da unwegsames Gelände, mehrere Stunden.

Somit traten wir langsam den Rückweg Richtung Sal Rei an, legten aber unterwegs noch einige Stopps ein, um bei Freunden und Bekannten von unserem freundlichen Fahrer José einzukehren.

Einen weiteren Halt legten wir ein am Resort Hotel Marine Club Boavista, ca. 2 km außerhalb Sal Rei’s an dem Strand „Praia da Cruz“ (bei Fátima), um uns die Ferienanlage etwas ausführlicher anzusehen, da wir schon jetzt planten, einmal eine längere Zeit als nur ein paar Tage auf Boavista zu verbringen.

Die Anlage – Bungalows für bis zu 6 Personen - ist terrassenförmig angelegt. Sie prägt sich gut in das Landschaftsbild ein und galt einmal als eine der komfortabelsten
auf Cabo Verde. Es gibt eine eigene kleine Badebuch, geschützt durch vorgelagerte Felsen.
Die Hotelanlage machte auf uns insgesamt einen einladenden sehr guten und ordentlichen Eindruck. Die Bungalows, die wir uns ansahen, waren geräumig und hübsch eingerichtet; es fehlte an nichts.

Badebucht unmittelbar vor dem Marine Club

Auf der Terrasse vor dem Speiseraum, mit herrlichem Ausblick auf die Bucht und den Atlantik nahmen wir ein kühles Getränk zu uns und stellten anhand der Lautstärke bald fest, dass dieser schöne Club „Italien pur“ bedeutete.

Den letzten, unfreiwillig etwas längeren Aufenthalt hatten wir jedoch in Sal Rei beim dortigen Postamt, da wir einem Mitglied des EKV versprochen hatten, von dort jeweils einen Einschreibebrief an ihn und seinen Bruder abzusenden. Die Umstellung von Briefmarken auf elektronische Stempel war neuerdings auch auf Cabo Verde erfolgt. Wer dort schon einmal ein Postamt oder eine Bank betreten hat, weiß, dass man sehr viel Zeit und Geduld mitbringen muss! Es kam sogar zu einem leichten Streit zwischen einer Kapverdianerin und einem Festlandafrikaner, der mehrfach versucht hatte, sich vorzudrängeln. Als er partout nicht nachgeben wollte, rügte Sie ihn verärgert, doch vor seinem nächsten Besuch bei der Post eine Dusche zu nehmen oder zumindest ein Bad im Meer!

Bei einem abendlichen Spaziergang durch Sal Rei trafen wir zu unserer Überraschung Ayrton, einen Jungen, den wir bereits schon ein paar Jahre von Santa Maria/Sal her kannten. Er hat diese bei Kapverdianern, besonders bei den Menschen auf Fogo, oft vorkommenden, strahlend schönen hellgrünen Augen, sowie helles Haar zu broncener Hautfarbe. Auf unsere Frage hin, wieso er nun hier auf Boa Vista sei, sagte er uns, dass er sich auf beiden Inseln „zu Hause“ fühlen würde und nun hatte er auf unbestimmte Zeit die Insel gewechselt. Sein „zu Hause“ scheint - unseren Beobachtungen zufolge – für ihn, wie für viele Heranwachsende auf den Kapverden, auch der Strand zu sein.

Ayrton mit Amigo

Wie Eingangs erwähnt, hat Boa Vista die größten und schönsten Strände Cabo Verdes. Von Sal Rei leicht zu Fuß zu erreichen, sind die Praia de Carlota, auch Praia de Estoril genannt, an dem es eine Tauchstation gibt, sowie für Strandläufer die ca. 8 km entfernte Praia de Chaves.

Hier befinden sich die Hotels Venta Club Boavista mit 300 Zimmern (Stand August 2007: Anlage soll bereits wieder geschlossen sein – Gründe: Verzögerung der Eröffnung des internationalen Flughafens auf Boa Vista, finanzielle Probleme? )
sowie die Bungalow-Anlage Parque das Dunas Village mit 28 Doppelbungalows. An diesem Strandabschnitt sind weitere 3 Hotels mit einer Kapazität von 2000 Betten in Planung.
Unumstritten soll aber die menschenleere Praia de Santa Monica mit 35 km Länge und ihrem pastellfarbenen Sand der schönste Strand von ganz Cabo Verde sein.

Die schöne große Costa de Boa Esperanca mit seinem berühmten Schiffswrack „Cabo de Santa Maria“, vormals ein moderner spanischem Frachter, der 1968 strandete, von unzähligen weißen Schaumkronen umgeben, sahen wir bei diesem Besuch leider nur vom Flugzeug aus. Leider ist die Zeit meist zu knapp, um sich alles in Ruhe anzusehen.

Schiffswracks, die in Küstennähe auf Grund liegen, soll es viele geben – man spricht von einigen hundert Schiffen, die vor allem in den Gewässern im Nordosten (starke Strömungen, zahlreiche Untiefen, Riffe, heftige Stürme) der Insel versunken sind und darauf warten, von seriösen Schatzsuchern oder Wrackplünderern besucht zu werden.

Ob nun Märchen oder nicht, man macht immer noch den im Osten stehenden Berg „Monte Negro“ („Schwarzer Berg“ aus erkalteter Lava) mit seinem eisenhaltigen Vorkommen dafür verantwortlich, dass durch Magnetismus die Kompassnadeln erheblich von dem tatsächlichen Kurs abwichen, was den Schiffen zum Verhängnis wurde. Sehr zur Freude der Inselbewohner, die das Strandgut behalten dürften. Eswird ihnen sogar nachgesagt, dass sie durch falsche Signale manchmal etwas nachgeholfen hätten.

Anflug auf Sal Rei

Mit Sicherheit wird es für uns „ein nächstes Mal“ geben, denn Boa Vista war „Liebe auf den zweiten Blick“.

Sicherlich liegt es auch ein wenig daran, dass wir nach fast 10 Jahren nun eine andere Ausgangsbasis für unsere Kurzreisen auf andere Inseln suchen, da auf Sal, vor allem seit der Eröffnung des RIU-Komplexes (1.500 Betten) / TUI, endgültig der ganz normale Touri Einzug gehalten hat.

zu den Bildern mehr am Ende des Berichtes

Sal Rei hat noch deutlich natürlicheren Charakter als Santa Maria. Wenn auch viele italienische Urlauber sich auf Boa Vista aufhalten, so verbleiben die meisten doch 24 Stunden in ihrem Ressort.

Angesichts der regen Bautätigkeit auch auf Boa Vista sowie der bevorstehenden Eröffnung des internationalen Flughafens wird sicher nicht mehr all zuviel Zeit vergehen, bis auch Boa Vista eine Ferieninsel für Jedermann sein wird, wie es mit Sal ja leider bereits geschehen ist.
Überraschenderweise saß José, unser Fahrer und netter unterhaltsamer Begleiter auf Boa Vista, auf dem Flug nach Sal mit uns im Flugzeug. Er hatte uns zum Flughafen gefahren und dort kurz entschlossen ein Ticket gekauft.
Wie er uns später anvertraute, lebt und arbeitet seine (derzeitige) Freundin auf Sal. Seinen Geländewagen übergab er am Flughafen für die Zeit seiner Abwesenheit einem Cousin.

Der Rückflug war übrigens kurzerhand um 2 Stunden vorverlegt worden, was wir „so nebenbei“ bei unserem Anruf am Airport bezüglich der Rückflugsbestätigung (confirmado) erfuhren.
Einem portugiesischen Geschäftsreisenden, der im gleichen Hotel wohnte brachte das sämtliche Termine durcheinander und die Worte, die er auf die TACV Inlandsflüge losließ bedürften keiner Übersetzung.

Nicht versäumen möchten wir, hiermit das Foto eines motorisierten Fortbewegungsmittels abzubilden, was wir in Sal Rei entdeckten.

Anleitung zum ORIL-Spiel

Bestehend aus: 2 parallelen Holzbrettern mit je 6 Vertiefungen (Banco)
48 Spielsteinen (Samen des Orilbaumes)

In jeder Vertiefung befinden sich 4 Steine. Gespielt wird immer abwechselnd. Man entnimmt die Steine an einer beliebigen Stelle und verteilt sie gegen den Uhrzeigersinn auf die folgenden Vertiefungen. Auch auf die des Gegenspielers. In jede Vertiefung wird immer nur ein Stein gegeben. Wenn mehr als 11 Steine in der Startvertiefung liegen, muss diese bei der Verteilung ausgelassen werden. Landet der letzte Stein auf der Seite des Gegenspielers und befinden sich in der Kuhle zwei oder drei Steine, dann darf der Spieler, der verteilt hat, die Steine aus der Kuhle und damit aus dem Spiel nehmen. Befinden sich in der Vertiefung, die in Richtung Uhrzeigersinn angegrenzt sind, ebenfalls zwei oder drei Steine, dann dürfen auch die entnommen werden. Wenn er nur einen Stein, vier oder mehr als vier Steine entnimmt, ist der Gegenspieler am Zug.
Gewonnen hat der jenige, der zuerst mehr als 24 Steine entnommen hat
Nach Rückkehr von Boa Vista blieben uns noch ein paar wunderschöne Wochen auf Sal über die wir in der nächsten Reiseerzählung berichten werden.

Nur soviel vorweg:

Es gibt auf Sal eine schlichte kleine Bar, in der sich unabgesprochen aber dennoch regelmäßig sonntäglich die verschiedensten Leute zusammenfinden, wie z.B. die Europäer, die fest auf Sal wohnen, hier vorübergehend arbeiten, Langzeiturlauber wie wir, europäische sowie kapverdianische Geschäftsleute aber auch echte Künstler und hin und wieder auch einige (Über)-Lebenskünstler.
Hier lernten wir durch einen langjährigen Freund, holländischer Geschäftsmann, der vor Jahren das Segelschiff „Saudade“ durch die kapverdischen Gewässer schipperte, einen Maler kennen. Dieser Maler, ebenfalls Holländer und in seinem Land schon recht gut bekannt, hatte es uns nicht nur wegen seiner liebenswerten ruhigen Art gleich angetan sondern ein wenig beeindruckte uns auch seine äußere Erscheinung. (Langes schneeweißes Haar, mit langem gleichfarbigem Bart, also typisch „Künstler“).
Wir verabredeten uns noch für den gleichen Abend im Haus einer Freundin in Santa Maria, an dem er uns seine Bilder präsentierte.
Wir waren begeistert und angetan davon, wie realistisch und naturgetreu er mittels Federzeichnung die Menschen der Kapverden darstellen konnte. Außergewöhnlich aber interessant fanden wir, dass er die Zeichnungen auf nepalesischem Reispapier (hauchdünn mit leichter Maserung) fertigt.

Nachstehend eine kleine Auswahl. Sollten Sie, liebe Leser Interesse an den Bildern (ähnliche Motive) haben, so wenden Sie sich doch bitte an den EKF.